Siebenmühlental
Die Geschichte des Siebenmühlentals
Das Siebenmühlental (früher auch Reichenbachtal) in Leinfelden-Echterdingen, zählt zu den kultur- und landschaftsgeschichtlich bedeutendsten Tälern der Region. Über Jahrhunderte prägten Mühlen, Wasser und Handwerk das heutige Naherholungsgebiet vor den Toren der Landeshauptstadt Stuttgart, das bis heute seinen ursprünglichen Charakter bewahrt hat.
Die Mühlen im Reichenbachtal
Eine der ältesten bekannten Quellen zum Siebenmühlental ist ein Forstlagerbuch aus dem Jahr 1383. Darin werden sieben Mühlen am Reichenbach erwähnt. Zwischen 1500 und dem Dreißigjährigen Krieg gehörten diese sieben Mühlen zum sogenannten „Leinfelder Ämtchen“.
Im Laufe der Jahrhunderte wuchs die Zahl der Talmühlen auf insgesamt elf Mühlen an.
Der Name Reichenbach ist dabei Programm: Er leitet sich von der Bedeutung „starker Bach“ ab. Dank seines konstanten Wasserlaufs und des ausreichenden Gefälles bot der Bach sehr gute Voraussetzungen für den Mühlenbetrieb. Dennoch war das Wasser nicht unbegrenzt verfügbar – so geht aus einer Berechnung von 1716 hervor, dass beispielsweide das Mahlwerk der Mäulesmühle rund zwei Monate im Jahr stillstand.





Geografie und Verlauf des Tals
Das Siebenmühlental erstreckt sich von Musberg – am Zusammenfluss von Schmellbach und Mahdenbach – bis zur Burkhardtsmühle bei Waldenbuch. Unterhalb der Brücke im oberen Schmellbachtal vereinigen sich die beiden ständig wasserführenden Bäche und tragen von dort an den Namen Reichenbach.
Gleichzeitig markiert dieser Punkt die Gemeindegrenzen von Musberg sowie der Städte Böblingen und Sindelfingen. Das Siebenmühlental verläuft weiter durch verschiedene Markungen der Gemeinden Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt und Waldenbuch.
Die elf Mühlen des Siebenmühlentals
Viele der historischen Gebäude sind bis heute erhalten und zeugen von der langen wirtschaftlichen Bedeutung des Tals. Beginnt man den Weg talaufwärts in Musberg, liegen die Mühlen in folgender Reihenfolge:

Topographische Karte im Maßstab 1:50 000Herausgegeben vom Landesvermessungsamt Baden-Württemberg (L7320)Quelle: Stadtarchiv LE, Buch „Das Siebenmühlental. Bilder und Geschicht(e), 2003
Die Anfänge des Fremdenverkehrs
Im späten 19. Jahrhundert gewann das Wandern zunehmend an Bedeutung, insbesondere im Bildungsbürgertum. Ein Meilenstein war die Gründung des Schwäbischen Albvereins im Jahr 1888, der auch zur touristischen Erschließung des Siebenmühlentals beitrug. Wegmarkierungen machten das Tal für Ausflügler besser zugänglich.
Ein weiterer wichtiger Schritt folgte 1928 mit der Einweihung der sogenannten „Tälesbahn“, die Leinfelden mit Waldenbuch verband. Sie sorgte für eine komfortable verkehrliche Anbindung des Tals, wurde jedoch bereits 1956 stillgelegt. In den 1960er-Jahren wandelte man die ehemalige Bahntrasse zu einem asphaltierten Weg
Naturraum und Schutzgebiet
Das Reichenbachtal liegt im Naturraum Schönbuch und Glemswald und gehört geologisch zum Keuperbergland. Ökologisch ist das Tal besonders wertvoll und steht bereits seit 1960 unter Landschaftsschutz. Heute präsentiert sich das Siebenmühlental als landschaftliches Idyll am Rand des Ballungsraums Stuttgart – ein Ort, an dem sich Natur, Geschichte und Erholung auf einzigartige Weise verbinden.
Quelle: Alle dargestellten Informationen und historischen Fotografien sowie das Buch „ Bernd Klagholz (Hrsg.): Das Siebenmühlental. Bilder und Geschichte(n), Band 10, 2003“ wurden vom Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen zur Verfügung gestellt und dürfen mit freundlicher Genehmigung verwendet werden.